Die Quaggamuschel – eine Bedrohung für den Segelsport?

Ja, nach den ersten Reaktionen der Behörden lässt sich das vermuten.

Im September wurden durch die kantonalen Behörden des Kantons Zürich am Greifensee, Pfäffikersee und Türlersee über Nacht und ohne Vorankündigung ein Wasserungsverbot für fast alle Boote eingeführt. Und damit faktisch ein Segelverbot. Man wolle, nachdem im Zürichsee Quaggamuscheln gefunden worden seien, die Ausbreitung im Kanton Zürich sofort stoppen.
Die Wasserungsrampen wurden mittels Barrieren gesperrt. Einwassern ab sofort verboten.

Einwasserungsverbot für Alle? Nein, es gibt Ausnahmen:

Alle nicht immatrikulierten Boote und Wassersportgeräte dürfen weiterhin eingewassert werden und nach gründlicher Selbstreinigung den See wechseln. In diese Kategorie gehören: SUP, Kajak, Kanu, Windsurfer, Kitesurfer, Rennruderboote und so weiter.

Warum dürfen die mobilsten Wassersportgeräte (SUP, Kajak, Kanu, Windsurfer, Kitesurfer, Rennruderboote usw.) auf diesen dreien und anderen Seen weiterhin ein- und auswassern?
Mir ist schleierhaft, weshalb diese Klasse von Wassersportgeräten keine Gefahr für die Ausbreitung der Quaggamuschel sein soll.

Was war und ist weiterhin die Folge dieser behördlichen Anordnung?

Alle Regatten mussten auf diesen drei Seen abgesagt werden. Alle Boote auf Trockenplätzen (Jollen, Kats, Ruderboote) durften nicht mehr genutzt werden. Boote, die zum Zeitpunkt des Verbots an Bojen festgebunden waren oder über einen Hafenplatz verfügten, durften aber noch genutzt werden. Inzwischen und als Folge dessen wurde auch am Walensee ein Einwasserungsverbot für alle Boote erlassen, die in den letzten drei Jahren nicht auf oder am Walensee stationiert waren.

… und die Quaggamuschel?

Trotz dieser Verfügung wird die Quaggamuschel sich vermutlich weiter ausbreiten. Die Wasservögel (Kormorane, Möwen, Enten, Zugvögel) wechseln die Seen mit oder ohne Verbot. Ein im Gefieder haftender kleiner Wassertropfen mit einem befruchteten Ei dürfte zur Ausbreitung reichen.

Wie sieht das Szenario 2025 für Segler auf diesen Zürcher Seen aus?

Niemand weiss es. Die Behörden halten sich bedeckt. Die Segelverbände sind am Verhandeln.

  • Im schlimmsten Fall dürften auf unbestimmte Zeit keine immatrikulierten Boote mehr eingewassert werden. Boote, die jetzt über den Winter ausgewassert werden müssen, dürften im Frühling nicht mehr eingewassert werden.
    Dies bedeutet aus Sicht unseres Verbandes kein Segelunterricht mehr auf diesen Seen.
  • Im moderatesten Fall dürfen Boote nicht mehr den See wechseln, dies allenfalls schweizweit.
    Die Folgen: Tourensegler könnten nicht mehr auf anderen Seen segeln gehen, eine Teilnahme an Regatten auf anderen Seen wäre unmöglich.
    Punktemeisterschaften, Schweizermeisterschaften und Qualifikationsregatten für Europa- und Weltmeisterschaften wären im bisherigen Format nicht mehr möglich.

Thomas Zwick, 30.10.2024, VSSS

Mann-über-Bord!

Gehen nur Männer über Bord? Nach dem Begriff: ja. Wie sieht das in Wahrheit aus? Ich kann keine nachweisliche Aussage dazu machen. Trotzdem habe ich den Eindruck in all den mir bekannten Fällen nur immer von über Bord gegangenen Männern gelesen zu haben. Zudem waren es erfahrene Segler. Bekanntestes Beispiel: Eric Taberly, französische Segellegende. Déformation professionelle?

In Segler-Gesprächen wird häufig über das beste Mann-über-Bord Manöver diskutiert. Jeder hat seinen Favoriten. Das ist gut so, sofern es auch beherrscht wird. Auf den vergangenen Törns warf ich immer wieder spontan und ohne Ankündigung einen Fender über Bord, Mann-über-Bord. Leider schaffte fast nie jemand auf Anhieb ein Mann-über-Bord Manöver, in dem Fall einen Fender zu bergen. Unter Druck scheint es nicht zu gelingen.
Ein Manöver, über das viel gesprochen wird, aber im Notfall die wenigsten beherrschen. Warum? Vermutlich, weil es zu wenig oft geübt wird. Nun zugegebenermassen, wer möchte schon bei Sonnenschein und Vergnügen sich mit einem solchen Thema befassen. Ja, unser innerer Schweinehund ist in solchen Momenten sehr nah, auch bei mir.

Aber, üben die Feuerwehr, Rettungskräfte und Polizei nicht bis zum Umfallen alle Notabläufe? Ja, das machen sie. Im Notfall soll alles automatisch, ohne gross nachzudenken, gelingen.

Was macht ein gutes Mann-über-Bord Manöver aus meiner Sicht aus?

  1. Es muss Einhand durchführbar sein.
  2. Es sollte fast ohne Segelbedienung gehen.
  3. Es sollte dafür nicht weit weggesegelt werden müssen, also nur Manöver auf aller kleinstem Raum.

aus Amwind-Kurs

Ich selbst bevorzuge in der Praxis den amerikanischen Quickstop, und zwar nur den gesegelten! Dieser ist nur für eine Yacht und nur aus Amwind tauglich, Segel müssen/sind also absolut dicht.
Wie geht er: sofort eine Wende, ohne die Segel zu bedienen (also Segel dicht); abfallen auf einen Raumschotkurs, ohne Segel zu bedienen; wenn Mann querab, eine Halse (die Segel sind immer noch dicht seit dem Amwindkurs); nach der Halse Fock und Gross fieren, und Mann bergen. Es wird also ein Kreis ohne Segelbedienung gesegelt.
Aber Achtung: Dieses Manöver nur aus Amwind.

Aus Halbwind/Raumschot/Vorwind-Kurs

Geht eine Person bei Halbwind/Raumschot oder Vorwind über Bord: Abfallen/Anluven (oder bleiben) auf einen Raumschotkurs, Boot sofort Wenden um 180 Grad = Amwind, Segel fieren und auslaufen lassen, Person bergen.

… und zum Schluss:

Egal welches Mann-über-Bord Sie auch machen:
Wichtig ist, dass Sie es spontan, automatisch und ohne nachzudenken durchführen können.

Thomas Zwick