Von der Nordsee ans Mittelmeer: Traumprojekte

Schleuse in Bézier

Gedanken zu den Traumprojekten, die die Schweiz auf dem Wasserweg mit den Meeren in allen Himmelsrichtungen verbinden sollten. Leider hiess es allzu oft „Geld ausgegangen“, leider. Dies passierte im Schweizer Seenland und Wasserschloss des Öfteren. In den vergangenen vier Jahrhunderten gab es einige wegweisende Projekte. Eines war der Bau des Transhelvetischen-Kanals zwischen dem Neuenburger- und Genfersee. Über diesen Kanal sollte die Nordsee mit dem Mittelmeer verbunden werden. Der Kanal wurde teilweise erstellt. Leider ging das Geld viel zu früh aus. Nun endet er nach der Ebene bei Yverdon im Wald.

Zwei andere ebenso spannende Projekte waren die Überwindung des Rheinfalls und das Kanalprojekt im Engadin. Das Projekt, welches die Schifffahrt von Rotterdam via Basel zum Bodensee erlauben sollte, sah im Bereich des Rheinfalls Schleusen und sogar einen Schiffstunnel vor. Der Plan im Engadin wollte eine Verbindung vom Comersee ans Schwarze Meer schaffen, über Maloja via Inn und Donau. Beide Projekte wurden schubladisiert.

Leider gehört der Zürichsee in einer anderen Art dazu. Der ehemals schiffbare Linthkanal ist nicht mehr im Angebot. Früher, vor 100 Jahren, war es gang und gäbe mit kleineren Schiffen vom Zürichsee in den Walensee zu fahren. Sehr beliebt, wie alte Fotos zeigen, bei Motoryachtbesitzer in Anzug und Schiffermütze.  Über die Zeit hinweg wurde das Befahren immer mehr eingeschränkt. Die Quaggamuschel-Epidemie schob dem nun endgültig den Riegel.

Am Zürichsee wurde vor wenigen Wochen ein weiteres Wasserprojekt beerdigt: der grosse Hafen Tiefenbrunnen. Er sollte das unterste Seebecken entlasten. Alle Bojen hätten dafür aufgehoben werden müssen. Im Gegenzug füllt die Stadtbehörde den See im Bereich der Bojen zu einem flacheren Gewässer auf. Er sollte der verschwundenen Fauna auf die Beine helfen. Wie diese Quadratur des Kreises aufgehoben werden sollte, weiss niemand.

In der Jugendszene hiess es in den 80-ziger Jahren: freier Blick auf das Mittelmeer. Wie cool wäre das, mit dem Schiff aus der Schweiz ans Mittelmeer, an die Ostsee oder ans schwarze Meer segeln und fahren zu können. Träumen ist erlaubt, träumen ist wichtig für die Seele, und manchmal werden Träume auch wahr.

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Thomas Zwick, 17.10.2026, VSSS

Lockvogel & Co.

In 4-Tagen zum D-Schein, Windgarantie, Prüfungsgarantie springen mir beim Durchlesen diverser Segelschulinserate ins Auge. Zu schön, um wahr zu sein. Nun wissen wir alle: Werbung verspricht mehr als die Wirklichkeit. Und es gibt jene Werbung, die aller Wirklichkeit entflohen ist.

Warum werben Segelschulen mit solchen absurden Versprechungen. Sind sie in Not und versuchen sich am letzten dürren Ästchen festzuhalten. Fehlt es an Kompetenz, oder gibt es zum Verführer solcher Werbebotschaften auch das entsprechende willig zu verführende Publikum?

„In 4-Tagen zum D-Schein“ ist verführerisch. Was, wenn es während den 4-Tagen kaum oder nie Wind hat. Und hätte es Wind, würden es alle in der gleichen Zeit schaffen? Unabhängig, ob absoluter Anfänger oder schon erfahrene Seglerin/Segler?

 „Windgarantie“: Die Schule verspricht mir immer Wind? Ist da jemand zum Allmächtigen aufgestiegen? Kann sie oder er zu jeder gewünschten Zeit Wind liefern?

„Prüfungsgarantie“: Was ist damit gemeint: garantiert eine Prüfung? Garantiert bestehen?

Zurück zu den Lockvögeln und ein wahrer Ablauf. Vor 20 Jahren hatte ich ein Pärchen als Segelschüler. Nach einigen Lektionen fanden Sie, es gehe zu wenig schnell voran. Sie möchten so schnell als möglich an die Prüfung. Sie hätten bereits ein eigenes Boot. Zu diesem Zeitpunkt waren sie noch nicht über das Stadium der Patenthalsen gekommen. Vom Aufschiessen und Kurs halten weit entfernt. Wie auch, es fehlte an entsprechenden Lektionen und damit Erfahrungen.  In der nächsten Lektion konfrontierten sie mich: „Wir gehen in einen Bergkanton, da sei die D-Scheinausbildung in 5 Tagen abgeschlossen“.  „OK“, sagte ich. „Ihr seid frei“, bedenkt aber fehlende Ausbildung und Erfahrung zahlt man gerne mit Materialschäden und – ich hoffe es nicht – auch mit verletzten Personen.

Zwei Jahre später traf ich einen der Segelschüler: Er bekannte reumütig: 2 x sein Schiff auf dem Ufer parkiert zu haben und 1 x in einer Patenthalse über Bord geschmettert worden zu sein. Folge daraus: Die Partnerin hat sich vom Segeln verabschiedet.

Was ist eine gute Segelschule: Die Segellehrerinnen und Segellehrer sind pädagogisch engagiert, haben Geduld und verfügen über reichhaltige lange Segelerfahrungen.

Wie finde ich eine gute Segelschule? Jene mit Lockvogelwerbung gehören sicherlich nicht dazu.

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Thomas Zwick, 11.6.2026, VSSS

Foil-Verbot auf Schweizer Seen?

Waszp foilende Jolle

Kürzlich bin ich über einen journalistischen Beitrag gestolpert „Foilen – gefährlich für Schwimmer?“ In diesem Artikel wird das Foilen als gefährlich für Schwimmende und andere Seebenutzer eingestuft.

Welche foilenden Untersätze gibt es denn mittlerweile überhaupt? Wir unterscheiden Pumpfoilbretter und Wingfoiler, es gibt aber auch Foils unter Segelbooten, Surfbrettern, Kitesurfern und Motorbooten.

Zurück zur Aussage: Ist Foilen gefährlich für Schwimmerinnen und Schwimmer? Hier kann kurz und knapp gesagt werden: Nein! Solange die Badenden in der ausgezonten und mit gelben Bojen markierten Fläche einer Badeanstalt schwimmen, sind sie absolut sicher. Gelbe Bojen bedeuten: gesperrte Fläche und sie werden in der Schweiz vor allen Badeanstalten eingesetzt. In diesem Bereich ist das Befahren mit Wasserfahrzeugen jeglicher Art verboten!

Trotzdem: Viele Badelustige besuchen heute keine Badeanstalt mehr. Diese gehen irgendwo schwimmen und waren schon immer in Gefahr, nicht erst durch foilende Untersätze, sondern hauptsächlich durch Motorboote, Segelboote und Ruderboote konventioneller Art.

Diese frei Badenden schwimmen meist weit hinaus. Ist der Himmel bedeckt und der See vom Wind aufgewühlt, sind Schwimmende für Böötler aller Art kaum sichtbar. Sie bringen sich so vorsätzlich selbst in Gefahr. Abhilfe würden Badekappen in knalligen Farben schaffen. Nur, wer trägt schon solche? Die wenigsten.

Sollten die foilenden Untersätze wirklich eine Gefahr darstellen, was wäre die einseitige Konsequenz daraus: ein Verbot? Ein Foil-Verbot schafft aber keine Sicherheit. Die Motor-, Segelböötler und Ruderer wären ja immer noch da.

Wer foilt eher nahe Land und kommt mit einem Schwimmenden in Kontakt? Das sind die Pumpfoiler und vielleicht die Wingsegler als Anfänger. Alle anderen starten zwar auch vom Land aus, bewegen sich aber meist auf dem offenen See, also fern vom Ufer. Sie haben aber im Gegensatz zu den Ruderern immer den Blick in Fahrtrichtung.

Foilende Untersätze können bei idealen Bedingungen hohe Geschwindigkeiten erreichen. Das sind nur sehr wenige, viele Motorboote konventioneller Art können das aber auch. Dieses Tempo ist erst ab 300 Meter Uferabstand erlaubt, Bodensee ausgenommen. Weiter als bis zu 300 Meter vom Ufer sollte sich ein Schwimmender aus eigenem Interesse nicht unbegleitet hinauswagen.

Foilen aller Art wird uns in der Zukunft im Wassersport immer mehr begleiten. Wenn sich alle Ihrer Verantwortung bewusst sind, und sie auch wahrnehmen, ist ein Nebeneinander keine Gefahr. Foilen ist Zukunft. Sollte es tatsächlich mal gelingen Frachtschiffe auf Foils zu bringen, wird der Treibstoffverbrauch immens geringer.

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Thomas Zwick, 28.5.2026, VSSS

Eine Segelschule gründen?

Segeln als Beruf - Spinnaker im Sonnenuntergang

Das graue Büro, der graue Alltag – schlimmer kann es kaum noch werden. Eine Chefin, ein Chef, der ihnen das Leben zur Hölle macht. Am Morgen im öffentlichen Verkehrsmittel nur abgelöschte Gesichter. Kaum jemand lächelt. Endlose Sitzungen, in denen sich die Chefin oder der Chef hauptsächlich brüstet, und sich gekonnt in Szene setzt. Ein langer und vor allem langweiliger Arbeitsalltag.  Kurzum: Sie fühlen sich in ihrem Beruf unerfüllt und abgelöscht.

Nur am Wochenende, an den freien Tagen, öffnet sich das Fenster und lässt die Sonne herein. Auf dem See lassen Sie die Seele baumeln, sich treiben und den Gedanken freien Lauf: Wie wäre es immer Wochenende zu haben, wie wäre es häufiger auf dem See zu sein, wie wäre es eine erfüllende Arbeit zu haben? Eine Arbeit, die auch noch den Lebensunterhalt bestreitet oder sogar mehr Verdienst generiert als der momentane Job. Ist Segeln nicht ein Sport für Reiche? Da muss doch einiges an Geld vorhanden sein.

Ist eine Segelschule eine Goldgrube?

Sollten Sie das Motiv haben, zusätzlich mehr respektive viel Geld verdienen wollen, ist es besser, wenn sie weiterblättern. Die Gründung einer eigenen Segelschule wäre nur eine weitere nicht erfüllende Arbeit.

Möchten Sie aber eine erfüllende Arbeit haben und können mit geringem Lohn leben, dann könnte das Gründen einer Segelschule folgerichtig sein.

Was braucht man dafür?

  • langjährige (intensive) Segelerfahrungen auf Jollen und Yachten
  • didaktisches Gespür und Geschick
  • unendliche Geduld
  • Interesse an Technik und Handwerk 
  • bereit sein, lebenslang zu lernen
  • ein Segelschiff

Zum Glück gibt es in unserem Metier noch keine oder nur wenige behördliche Vorschriften und Einschränkungen. Wir ertrinken im Alltag schon in den Gesetzesfluten. Der Markt sortiert schnell aus. Zudem verhindern Berufsausweise keine schwarzen Schafe, siehe Pfarrer, Mediziner und alle anderen Berufe mit Berufszertifikaten.

Wie vorgehen?

In unserem Verband sind viel Erfahrung und Wissen vorhanden.
Wir vom Verband Schweizer Segelschulen (VSSS) beraten und helfen gerne bei der Gründung einer Segelschule oder Vermittlung von Personen, die Segellehrer(in) werden möchten.

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Gerne dürfen Sie mit uns in Kontakt treten.

Thomas Zwick, 4.11.2025, VSSS

Ärger mit dem Jockel?

Ärger mit dem Jockel? Jockel, was? Bei unseren grossen Nachbarn ist der Jockel ein Übername für einen Aussenborder. Und der sorgt, egal unter welcher Namensbezeichnung, immer wieder für Ärger. Ärger vor allem bei all jenen mit Handstart und seltenem Gebrauch. Das betrifft vor allem Segler/innen
Der Aussenborder ist widerspenstig. Sorgt vom vielen Ziehen für Blasen an den Händen. Gibt meist nur räuspernde, gurgelnde Geräusche von sich oder ein lautes Knallgeräusch.

Aussenborder Yamaha

Mit dem Aussenborder lebe ich seit Jahrzehnten in einer ambivalenten Beziehung. Er hat sich schon viele Macken erlaubt. Man könnte es auch Arbeitsverweigerung bezeichnen. Mit der Zeit habe ich einige Gegenstrategien entwickelt. Trotzdem, ein Fachmann bin ich nicht. Ich übe noch.
Als gebeutelter Nutzer habe ich folgende Strategien entwickelt:

Motor lange nicht gebraucht?

  • Wird der Aussenborder nicht täglich gebraucht, am Schluss des Gebrauchs unbedingt den Benzinschlauch abnehmen oder die Benzinzufuhr zudrehen und dann den Motor leerfahren, bis er abstirbt.
    Wird der Aussenborder länger nicht gebraucht und leergefahren, verbleibt Benzin im Motor. Das Benzin verliert seine Zündfähigkeit. Zudem soll laut eines Fachmanns der Schmierersatz für das Blei im Benzin bleifrei 95 kleinste feine Klümpchen bilden, die dann allenfalls zu Vergaserproblemen führen können.
  • Nach langen Standzeiten, zum Beispiel Winterpause, das alte Benzin in den Tank des Autos giessen und den Aussenborder-Tank neu befüllen
    Das Benzin verliert über die Zeit seine Zündfähigkeit, darum neues Benzin. Das alte Benzin im Tank des Autos richtet keinen Schaden an. Der Tank des Autos ist viel grösser, und vermischt sich gut mit dem Vorhandenen ohne Beeinträchtigung im Betrieb.
Benzinschlauch Pumpe

Motor springt nicht an?

  • Prüfen, ob der Benzinschlauch richtig angebracht wurde. Die schwarze Handpumpe pumpt das Benzin nur in eine Richtung. Diese Verwechslung des Anbringens gibt es nur bei Benzinschläuchen, die am Tank und am Motor abnehmbar sind.
  • Der Motor kann in den Brennräumen zu „nass“ werden, d.h. zu viel Benzin haben. Hier unbedingt 10 Minuten warten, bis alles Benzin verdampft ist. Ansonsten sind Blasen an den Händen durch endlose Startversuche garantiert.
  • Ist der Motor noch zu heiss, braucht es einen Vollgasstart. Bei heissem Motor und nur kleiner Gaseinstellung verdampft das Benzin zu schnell.
Aussenboder Entlueftungsschraube

Motor stellt ab?

  • Prüfen, ob am Tank die Entlüftungsschraube offen ist. Sie muss während des Betriebs offen sein. Ist sie geschlossen, entsteht ein Vakuum. Es kann kein Benzin mehr nachgesogen werden. Der Motor stirbt ab. Die Entlüftungsschraube ist auf dem Tankdeckel.

Thomas Zwick, 22.7.2025, VSSS

Dunkle Wolken am Seglerhimmel

Dunkle Wolken ziehen auf!
SMRP ist das neuste Kürzel: Schiffsmelde- und Reinigungspflicht. Zuerst in den Innerschweizer Kantonen lanciert und nun neu ab dem 2. Quartal 2025 um die Kantone GL, GR, SG und ZH erweitert. 11 Kantone sind es inzwischen. Vermutlich werden bald alle Schweizer Kantone mitmachen.

SMRP als Kampfmittel gegen die Verbreitung der Quaggamuschel? Nein, nicht nur gegen diese Muschel, sondern auch gegen alle anderen vorhandenen und zukünftigen aquatischen invasiven Arten. Und von denen gibt es laut Referentin des SMRP-Kurses, den ich besucht habe, eine Menge.

Alle immatrikulierten Boote, unabhängig des Sees, müssen bei jedem Seewechsel gereinigt werden. Ruder-, Segel- und Motorboote müssen zwingend bei einer amtlich offiziellen Reinigungsstelle ihr Boot reinigen und kontrollieren lassen. Die Kosten dafür sind nicht unerheblich. Wir reden im Minimum von mehreren hundert Franken.
Einzig für Boote, die für eine Regattateilname den See wechseln, gibt es eine vereinfachte Verordnung mit Selbstdeklaration, Selbstreinigungmit Kontrollen. Alles wird in einer Datenbank erfasst. Das Einhalten dieser neuen Verordnung wird neben anderen auch durch die Seepolizei kontrolliert.

Was gilt für nicht immatrikulierte Boote?

Sup, Kajak, Kanu, Ruderskiff und ähnliche werden nicht erfasst. Die Reinigung ist nur eine Empfehlung, Kontrollen gibt es keine. Laut Referentin stellen diese keine Gefahr dar.

Die Folgen dieser Verordnung?

Diese Verordnung SMRP wird die Segelszene für immer verändern.
Ich vermute, dass in Zukunft nur noch wenige (Tourensegler und Boote anderer Art) für einen Ferientörn einen Seewechsel ins Auge fassen werden. Die Kosten für die Reinigung fallen bei jedem Seewechsel zwei Mal an, nämlich hin und zurück.

Die Massnahmen werden die Ausbreitung wahrscheinlich nicht verhindern, sondern nur verlangsamen. Befremdlich ist zudem, dass die nicht immatrikulierten Boote kein Risiko darstellen sollen und von allem befreit sind. Und da hätten wir ja noch die Seevögel, die auch gerne mal das Revier wechseln möchten.

Ein Sonnenstrahl

Am Segelhimmel gibt es glücklicherweise auch Licht. Licht mit Justine Mettraux im Vendee Globe und dem Schweizer SailGp Team in Sydney. Beide haben hervorragende Resultate erreicht.

Segeln dürfen wir nach dem Motto von Anita Weyermann, ex. Leichtatlethin, «Gring abe und seckle» zum Glück noch.

Für alle, die sich nicht abschrecken lassen findest Du hier in unserer Verbandsseite eine für Dich passende Segelschule.

Thomas Zwick, 13.2.2025

Die Quaggamuschel – eine Bedrohung für den Segelsport?

Ja, nach den ersten Reaktionen der Behörden lässt sich das vermuten.

Im September wurden durch die kantonalen Behörden des Kantons Zürich am Greifensee, Pfäffikersee und Türlersee über Nacht und ohne Vorankündigung ein Wasserungsverbot für fast alle Boote eingeführt. Und damit faktisch ein Segelverbot. Man wolle, nachdem im Zürichsee Quaggamuscheln gefunden worden seien, die Ausbreitung im Kanton Zürich sofort stoppen.
Die Wasserungsrampen wurden mittels Barrieren gesperrt. Einwassern ab sofort verboten.

Einwasserungsverbot für Alle? Nein, es gibt Ausnahmen:

Alle nicht immatrikulierten Boote und Wassersportgeräte dürfen weiterhin eingewassert werden und nach gründlicher Selbstreinigung den See wechseln. In diese Kategorie gehören: SUP, Kajak, Kanu, Windsurfer, Kitesurfer, Rennruderboote und so weiter.

Warum dürfen die mobilsten Wassersportgeräte (SUP, Kajak, Kanu, Windsurfer, Kitesurfer, Rennruderboote usw.) auf diesen dreien und anderen Seen weiterhin ein- und auswassern?
Mir ist schleierhaft, weshalb diese Klasse von Wassersportgeräten keine Gefahr für die Ausbreitung der Quaggamuschel sein soll.

Was war und ist weiterhin die Folge dieser behördlichen Anordnung?

Alle Regatten mussten auf diesen drei Seen abgesagt werden. Alle Boote auf Trockenplätzen (Jollen, Kats, Ruderboote) durften nicht mehr genutzt werden. Boote, die zum Zeitpunkt des Verbots an Bojen festgebunden waren oder über einen Hafenplatz verfügten, durften aber noch genutzt werden. Inzwischen und als Folge dessen wurde auch am Walensee ein Einwasserungsverbot für alle Boote erlassen, die in den letzten drei Jahren nicht auf oder am Walensee stationiert waren.

… und die Quaggamuschel?

Trotz dieser Verfügung wird die Quaggamuschel sich vermutlich weiter ausbreiten. Die Wasservögel (Kormorane, Möwen, Enten, Zugvögel) wechseln die Seen mit oder ohne Verbot. Ein im Gefieder haftender kleiner Wassertropfen mit einem befruchteten Ei dürfte zur Ausbreitung reichen.

Wie sieht das Szenario 2025 für Segler auf diesen Zürcher Seen aus?

Niemand weiss es. Die Behörden halten sich bedeckt. Die Segelverbände sind am Verhandeln.

  • Im schlimmsten Fall dürften auf unbestimmte Zeit keine immatrikulierten Boote mehr eingewassert werden. Boote, die jetzt über den Winter ausgewassert werden müssen, dürften im Frühling nicht mehr eingewassert werden.
    Dies bedeutet aus Sicht unseres Verbandes kein Segelunterricht mehr auf diesen Seen.
  • Im moderatesten Fall dürfen Boote nicht mehr den See wechseln, dies allenfalls schweizweit.
    Die Folgen: Tourensegler könnten nicht mehr auf anderen Seen segeln gehen, eine Teilnahme an Regatten auf anderen Seen wäre unmöglich.
    Punktemeisterschaften, Schweizermeisterschaften und Qualifikationsregatten für Europa- und Weltmeisterschaften wären im bisherigen Format nicht mehr möglich.

Thomas Zwick, 30.10.2024, VSSS

Mann-über-Bord!

Gehen nur Männer über Bord? Nach dem Begriff: ja. Wie sieht das in Wahrheit aus? Ich kann keine nachweisliche Aussage dazu machen. Trotzdem habe ich den Eindruck in all den mir bekannten Fällen nur immer von über Bord gegangenen Männern gelesen zu haben. Zudem waren es erfahrene Segler. Bekanntestes Beispiel: Eric Taberly, französische Segellegende. Déformation professionelle?

In Segler-Gesprächen wird häufig über das beste Mann-über-Bord Manöver diskutiert. Jeder hat seinen Favoriten. Das ist gut so, sofern es auch beherrscht wird. Auf den vergangenen Törns warf ich immer wieder spontan und ohne Ankündigung einen Fender über Bord, Mann-über-Bord. Leider schaffte fast nie jemand auf Anhieb ein Mann-über-Bord Manöver, in dem Fall einen Fender zu bergen. Unter Druck scheint es nicht zu gelingen.
Ein Manöver, über das viel gesprochen wird, aber im Notfall die wenigsten beherrschen. Warum? Vermutlich, weil es zu wenig oft geübt wird. Nun zugegebenermassen, wer möchte schon bei Sonnenschein und Vergnügen sich mit einem solchen Thema befassen. Ja, unser innerer Schweinehund ist in solchen Momenten sehr nah, auch bei mir.

Aber, üben die Feuerwehr, Rettungskräfte und Polizei nicht bis zum Umfallen alle Notabläufe? Ja, das machen sie. Im Notfall soll alles automatisch, ohne gross nachzudenken, gelingen.

Was macht ein gutes Mann-über-Bord Manöver aus meiner Sicht aus?

  1. Es muss Einhand durchführbar sein.
  2. Es sollte fast ohne Segelbedienung gehen.
  3. Es sollte dafür nicht weit weggesegelt werden müssen, also nur Manöver auf aller kleinstem Raum.

aus Amwind-Kurs

Ich selbst bevorzuge in der Praxis den amerikanischen Quickstop, und zwar nur den gesegelten! Dieser ist nur für eine Yacht und nur aus Amwind tauglich, Segel müssen/sind also absolut dicht.
Wie geht er: sofort eine Wende, ohne die Segel zu bedienen (also Segel dicht); abfallen auf einen Raumschotkurs, ohne Segel zu bedienen; wenn Mann querab, eine Halse (die Segel sind immer noch dicht seit dem Amwindkurs); nach der Halse Fock und Gross fieren, und Mann bergen. Es wird also ein Kreis ohne Segelbedienung gesegelt.
Aber Achtung: Dieses Manöver nur aus Amwind.

Aus Halbwind/Raumschot/Vorwind-Kurs

Geht eine Person bei Halbwind/Raumschot oder Vorwind über Bord: Abfallen/Anluven (oder bleiben) auf einen Raumschotkurs, Boot sofort Wenden um 180 Grad = Amwind, Segel fieren und auslaufen lassen, Person bergen.

… und zum Schluss:

Egal welches Mann-über-Bord Sie auch machen:
Wichtig ist, dass Sie es spontan, automatisch und ohne nachzudenken durchführen können.

Thomas Zwick

Welchen Bootstyp wähle ich?

Sie haben einen Traum, eine Idee, und nun auch noch einen Bootsplatz oder viel näherliegend, die Zeit eine Ausbildung zu beginnen. Nun, auf welcher Art von Bootstyp soll ich starten, möchte ich kaufen?

Fahrtenjacht – 9m x 2,5m

Grundsätzlich wird zwischen Einrumpf- und Mehrrumpf unterschieden. Einrumpfboote werden unterteilt in «Jollen und Yachten», Mehrrumpfboote in «Katamaran und Trimaran».

„Laser“ – Jolle

Was sind die Unterschiede?

Einrumpf: Eine Jolle hat keinen Festballast, eine Yacht hat meistens am tiefsten Punkt des Rumpfes Ballast in Form von Eisen, Beton usw. eingegossen. Bei einer Jolle bist du der Ballast, damit die Jolle nicht alle paar Meter umfällt. Auf einer Yacht ist dein Körpergewicht nur noch sehr untergeordnet bis gar nicht mehr wichtig. Für den Aufrichtmoment sorgt der eingegossene Ballast, damit richtet sich die Yacht wieder selbst auf. Eine Jolle kannst Du nur unter Einsatz deines Körpergewichts aufrichten.

sportlicher Katamaran

Mehrrumpf: Der Katamaran hat zwei schmale Rümpfe, der Trimaran drei. Beim Trimaran sind links und rechts des Hauptrumpfes zwei aussenliegende schmale Rümpfe. Den Katamaran gibt es in einer sportlichen Variante (ähnlich Jolle) und dem eines Fahrtenkatamarans (ähnlich Yacht). Katamarane sind wegen dem fehlenden Ballast und dadurch reduzierten Verdrängung sehr schnell und haben mehr Platz zum Sitzen und Steuern. Beide Arten können kentern. Das Aufrichten ist im Gegensatz zur Jolle schwieriger oder gar nicht möglich.

grosser Fahrtenkatamaran

Trimarane segeln ähnlich wie Katamarane. Sie kippen wegen den drei Rümpfen aber viel weniger schnell als Katamarane.

Zusammenfassung:

Jollen sind sportlich. Wer das Wasser liebt und den direkten Moment sucht, liegt mit dieser Wahl genau richtig.

Yachten sind meist komfortabler. Bieten mehr Raum und Annehmlichkeiten vergleichbar mit einem Wohnmobil. Die Distanz zum Wasser ist grösser. Die Yacht fühlt sich weniger kipplig an, und ist es auch.

Katamaran/Trimarane bieten mehr Platz und sind schneller. Grösstes Hindernis in der Schweiz ist, einen genügend breiten Bootsplatz zu finden. Die Bootsplätze sind meist nur auf die Breite von Einrumpfbooten ausgelegt.

Empfehlung: Kaufen sie unbedingt ein Boot, das einhandfähig ist. Das so ausgelegt ist, dass sie allein damit klarkommen. Ansonsten werden sie nicht oft zum Segeln kommen. Denn, wenn sie Zeit und Lust haben, passt das selten mit anderen Personen und deren Terminkalender überein.

In einer unseren Verbandsschulen des VSSS finden sie sicherlich das passende: www.segelschulen-schweiz.ch

Zu ihrer Information besuchen sie eine der vielen nautischen Messen oder lassen Sie sich von ihrer Segelschule beraten – sie ist unabhängig und kennt ihre Bedürfnisse wahrscheinlich am Besten.

Thomas Zwick

D-Schein und kein Boot?

Sie haben endlich den D-Schein, kein Boot und keine Möglichkeit zum Segeln. Einfach mal ein Segelboot bei einer Bootsvermietung mieten, wurde schwierig. Die Schäden an den zurückgebrachten Booten waren einfach zu gross, zu kostspielig, und wiegten die Mieteinnahmen bei weitem nicht auf, leider.

Der naheliegendste Vorschlag ist: Fragen Sie doch in der Segelschule, in der Sie den D-Schein absolviert haben, nach der Möglichkeit ein Boot zu mieten. Meist ist es ähnlich wie das Schulungsboot und der Einstieg ins selbstständige Segeln fällt viel einfacher aus.

Alternativen?

Welche Alternativen gibt es, sollte die Segelschule keine Boote zur Vermietung haben?

Sich einem Segelclub anzuschliessen, der Boote an eigene Mitglieder ausleiht, ist empfehlenswert. Aber, sich einem Club anschliessen war und ist nicht jederfrau und -mann’s Sache, ausserdem verfügt nicht jeder Segelclub über clubeigene Boote.

Was dann? Zum Glück gab es findige Leute die Sailcom gründeten. Später ist auch noch Sailbox auf den Zug aufgesprungen. Beide haben ähnliche und doch unterschiedliche Konzepte.

Was aber, wenn man ein eigenes Boot gerne hätte? Wer ein eigenes Boot haben will, steht vor dem fast unerreichbaren Gipfel des Erhalts eines Bootsplatzes. Je nach Region muss eine Wartezeit für einen Wasserbootsplatz von 15 bis 30 Jahren einkalkuliert werden.

Nicht sehr ermutigend, nein. Mein Bonmot ist: „Setzen Sie Ihr werdendes Kind im Bauch der Mutter unbedingt schon auf die Warteliste, damit es als junger Erwachsenen und nicht erst im greisen Alter sich diesem schönen Sport zuwenden kann“.

Zum Glück gibt es zu jedem Problem auch eine Lösung. Eine nicht 100%- Lösung, aber in Anbetracht der langen Wartezeiten, eine die der Wunschvorstellung etwas näherkommt. Im Oktober ist meist wieder Termin zum Auswassern der Schiffe. Hängen Sie in ihrer Region ein kleines Plakat an allen Kran-Auswasserungsstellen für Segelboote auf:

„Suche Mitsegelgelegenheit, oder Miteigner-Möglichkeit“

Mein Tipp hat einigen zu einem Boot verholfen. Zwar nicht zu einem eigenen, wobei das noch werden kann, aber immerhin zu einem zeitnahen Einstieg in dieses schöne Hobby als Mitsegler mit allfälliger Möglichkeit zur Miteignerschaft. Teilen hat viele Vorteile.

Wiederholen Sie diese Plakataktion im Frühling für den Einwasserungstermin. Viele Eigner machen sich zu beiden Zeitpunkten oft folgende Gedanken:
Wie oft war ich auf dem See, will ich mir das noch antun, bin nicht langsam zu alt, um alles allein zu machen? Mitsegler oder Miteigner suchen oder Boot verkaufen?

Thomas Zwick

siehe auch hier: Der Kauf einer eigenen Segelyacht