Von der Nordsee ans Mittelmeer: Traumprojekte

Schleuse in Bézier

Gedanken zu den Traumprojekten, die die Schweiz auf dem Wasserweg mit den Meeren in allen Himmelsrichtungen verbinden sollten. Leider hiess es allzu oft „Geld ausgegangen“, leider. Dies passierte im Schweizer Seenland und Wasserschloss des Öfteren. In den vergangenen vier Jahrhunderten gab es einige wegweisende Projekte. Eines war der Bau des Transhelvetischen-Kanals zwischen dem Neuenburger- und Genfersee. Über diesen Kanal sollte die Nordsee mit dem Mittelmeer verbunden werden. Der Kanal wurde teilweise erstellt. Leider ging das Geld viel zu früh aus. Nun endet er nach der Ebene bei Yverdon im Wald.

Zwei andere ebenso spannende Projekte waren die Überwindung des Rheinfalls und das Kanalprojekt im Engadin. Das Projekt, welches die Schifffahrt von Rotterdam via Basel zum Bodensee erlauben sollte, sah im Bereich des Rheinfalls Schleusen und sogar einen Schiffstunnel vor. Der Plan im Engadin wollte eine Verbindung vom Comersee ans Schwarze Meer schaffen, über Maloja via Inn und Donau. Beide Projekte wurden schubladisiert.

Leider gehört der Zürichsee in einer anderen Art dazu. Der ehemals schiffbare Linthkanal ist nicht mehr im Angebot. Früher, vor 100 Jahren, war es gang und gäbe mit kleineren Schiffen vom Zürichsee in den Walensee zu fahren. Sehr beliebt, wie alte Fotos zeigen, bei Motoryachtbesitzer in Anzug und Schiffermütze.  Über die Zeit hinweg wurde das Befahren immer mehr eingeschränkt. Die Quaggamuschel-Epidemie schob dem nun endgültig den Riegel.

Am Zürichsee wurde vor wenigen Wochen ein weiteres Wasserprojekt beerdigt: der grosse Hafen Tiefenbrunnen. Er sollte das unterste Seebecken entlasten. Alle Bojen hätten dafür aufgehoben werden müssen. Im Gegenzug füllt die Stadtbehörde den See im Bereich der Bojen zu einem flacheren Gewässer auf. Er sollte der verschwundenen Fauna auf die Beine helfen. Wie diese Quadratur des Kreises aufgehoben werden sollte, weiss niemand.

In der Jugendszene hiess es in den 80-ziger Jahren: freier Blick auf das Mittelmeer. Wie cool wäre das, mit dem Schiff aus der Schweiz ans Mittelmeer, an die Ostsee oder ans schwarze Meer segeln und fahren zu können. Träumen ist erlaubt, träumen ist wichtig für die Seele, und manchmal werden Träume auch wahr.

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Thomas Zwick, 17.10.2026, VSSS

Lockvogel & Co.

In 4-Tagen zum D-Schein, Windgarantie, Prüfungsgarantie springen mir beim Durchlesen diverser Segelschulinserate ins Auge. Zu schön, um wahr zu sein. Nun wissen wir alle: Werbung verspricht mehr als die Wirklichkeit. Und es gibt jene Werbung, die aller Wirklichkeit entflohen ist.

Warum werben Segelschulen mit solchen absurden Versprechungen. Sind sie in Not und versuchen sich am letzten dürren Ästchen festzuhalten. Fehlt es an Kompetenz, oder gibt es zum Verführer solcher Werbebotschaften auch das entsprechende willig zu verführende Publikum?

„In 4-Tagen zum D-Schein“ ist verführerisch. Was, wenn es während den 4-Tagen kaum oder nie Wind hat. Und hätte es Wind, würden es alle in der gleichen Zeit schaffen? Unabhängig, ob absoluter Anfänger oder schon erfahrene Seglerin/Segler?

 „Windgarantie“: Die Schule verspricht mir immer Wind? Ist da jemand zum Allmächtigen aufgestiegen? Kann sie oder er zu jeder gewünschten Zeit Wind liefern?

„Prüfungsgarantie“: Was ist damit gemeint: garantiert eine Prüfung? Garantiert bestehen?

Zurück zu den Lockvögeln und ein wahrer Ablauf. Vor 20 Jahren hatte ich ein Pärchen als Segelschüler. Nach einigen Lektionen fanden Sie, es gehe zu wenig schnell voran. Sie möchten so schnell als möglich an die Prüfung. Sie hätten bereits ein eigenes Boot. Zu diesem Zeitpunkt waren sie noch nicht über das Stadium der Patenthalsen gekommen. Vom Aufschiessen und Kurs halten weit entfernt. Wie auch, es fehlte an entsprechenden Lektionen und damit Erfahrungen.  In der nächsten Lektion konfrontierten sie mich: „Wir gehen in einen Bergkanton, da sei die D-Scheinausbildung in 5 Tagen abgeschlossen“.  „OK“, sagte ich. „Ihr seid frei“, bedenkt aber fehlende Ausbildung und Erfahrung zahlt man gerne mit Materialschäden und – ich hoffe es nicht – auch mit verletzten Personen.

Zwei Jahre später traf ich einen der Segelschüler: Er bekannte reumütig: 2 x sein Schiff auf dem Ufer parkiert zu haben und 1 x in einer Patenthalse über Bord geschmettert worden zu sein. Folge daraus: Die Partnerin hat sich vom Segeln verabschiedet.

Was ist eine gute Segelschule: Die Segellehrerinnen und Segellehrer sind pädagogisch engagiert, haben Geduld und verfügen über reichhaltige lange Segelerfahrungen.

Wie finde ich eine gute Segelschule? Jene mit Lockvogelwerbung gehören sicherlich nicht dazu.

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Thomas Zwick, 11.6.2026, VSSS